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Historische Skizze von Gryfino



Das heutige Greifenhagen erhielt bei seiner Lokation im Jahre 1254 den deutschen Namen Greifenhagen. Nördlich von der nach deutschem Recht gegründeten Stadt, gab es früher eine slawische Siedlung, deren Name heute nicht mehr bekannt ist. Den Sondierungsergebnissen gemäß reichen ihre Ursprünge in das 12. Jahrhundert zurück.





Am 1. März 1254 hatte Stettiner Herzog Barnim I. eine Lokationsurkunde für die neu gegründete Stadt ausgestellt. Die Besiedler waren Rudolf de Belecowe und seine zwei Söhne. Die Stadt Greifenhagen erhielt 100 Lahn Anbaufelder, 100 Lahn Viehweiden, Tributbefreiung für sechs Jahre, die Fähre auf dem Fluss Reglitz, freie Schifffahrt auf den Flüssen, Zollbefreiung auf dem ganzen Gebiet des Herzogtums, Fischfang- und Heuernterecht, eine Zulassung für den Mühlenbau auf dem Fluss Tywa. Ein größeres Teil der Gewinne aus der Lokation - Gerichtsgebühren, Grundzinsen sowie Erträge aus den Mühlen - wurden im Verhältnis 2/3 für den Herzog und 1/3 für den Besiedler geteilt. Mit dem Erhalten neuer Privilegien wuchs die Bedeutung der Ortschaft. Im Jahre 1271 erteilte der Herzog der Stadt das Recht auf die Gründung von Zünften und Handelsgilden, die nach dem Vorbild ähnlicher Einrichtungen in Stettin geschaffen werden sollten.1278 hat Greifenhagen den Streit mit dem Kloster in Ko³bacz beendet und gewann einen Teil des Nachbardorfes D¹browa. In den Jahren 1280 – 1281 erhielt die Stadt von Herzog Bogislaw IV. das Recht der freien Schifffahrt auf den Gewässern des ganzen Landes und das Recht ein Freihafen, der Fremde, vor allem aber Lübecker Kaufleute, anziehen sollte, bauen zu können. Im Jahre 1309 hatte Herzog Otto I. den Bürgern erlaubt, südlich von der Stadt eine neue Siedlung (slawisches Viertel) zu bauen, und im Jahre 1312 den Ankauf des nördlichen Viertels (einer schon erwähnten Siedlung, die älter als die Stadt war) von seinem Meisterkoch - Heydekin von Heydebreck bestätigt. Im Jahre 1303 übergab Herzog Otto die hiesige Zollkammer an die Stadt, 1306 begann der Bau der Brücken über den Flüssen Reglitz und Oder, und 1331 konnte Greifenhagen einen Gewinn aus Grundstückgebühren machen. Ende des 13. Jahrhunderts wollten sowohl die Stadt als auch ihre reichen Bürger möglichst größte Flächen von Anbaufeldern, Wiesen und Wälder ankaufen.

Im Jahre 1283 erwarb Greifenhagen Wiesen am Fluss Reglitz, die bis an die Marwice-Grenze reichten. 1305 kaufte die Stadt den Wald an der Tywa in der nähe von Mielenko. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gingen K³odowo, Moczy³y, das Gebiet von Zwischenoder, von Gartz bis Radziszewko und Kamieniec, und im 15. Jahrhundert auch Pacholêta in das städtische Eigentum über. Die Bürger von Greifenhagen hatten eigene Besitztümer u.a in Karwowo, Pargowo, Sobieradz, Babin, Bielice, Parsowo, ¯abowo, Brzesko, Bartkowo, Mielenko und Kartno. Schon im 13. Jahrhundert nahm Greifenhagen aktiv an der Politik des Herzogtums teil, hauptsächlich aufgrund der Gefahr seitens Brandenburg – 1278 bürgte Greifenhagen zusammen mit drei anderen Städten den Pakt zwischen Barnim I. und Markgraf Konrad und im Jahre 1284 den Pakt in Czworoko³o. Nachdem 1338 in Frankfurt zwischen Pommern und Brandenburg Frieden, der eventuelle Erbschaft der Markgrafen in Stettiner Herzogtum vorsah und Huldigung der Städte forderte, geschlossen wurde, trat Greifenhagen einer Koalition, die sich gegen die Brandenburger und gegen das Herzogtum wandte und von Stettin geleitet war, bei. In Folge eines dreijährigen Streites, während dessen es zu einer militärischen Auseinandersetzung gekommen ist, brachten die Städte den Markgrafen die Huldigung nicht dar. Die ersten Landvögte von Greifenhagen waren dessen Besiedler, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ging die Woiwodschaft in Hände der reichsten Familie Wobbermin über. Der Stadtrat, der bereits im 14. Jahrhundert 12 Ratsherren zählte, wurde schon in der Lokationsurkunde erwähnt. Zwei Bürgermeister walteten über die Stadt. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts begann die Bedeutung von Greifenhagen, das immer mehr an Stettin gebunden wurde, zu senken. Bis Ende des 14. Jahrhunderts war Greifenhagen so sehr wirtschaftlich von der Hauptstadt des Herzogtums abhängig, dass es nun nur die Rolle eines lokalen Marktzentrums spielen konnte.

Trotzdem nahm Greifenhagen 1394 während des Kampfes zwischen der Hanse und dem Seeräuberbund der Vitalienbrüder aktiv an der Koalition der Städte teil. 1530 in Folge eines großen Stadtbrandes brannte die ganze Stadt samt Rathaus, die Kirche zum Heiligen Nikolaus und die Heiliggeistkirche nieder. 1630 während des Dreißigjährigen Krieges wurde die nördliche Siedlung verbrannt und 1640 die Brücken über Regalitz und Westoder von den zurückziehenden Schweden zerstört. In den Jahren 1653 – 1679 gehörte Greifenhagen Schwedischen Pommern an. Im 18. Jahrhundert ging die Stadt in wirtschaftlicher Hinsicht unter, wozu u. a. die Plünderung durch die russische Armee während des Siebenjährigen Krieges im Jahre 1760 und die Flut im Jahre 1780 beigetragen hatten. In dieser Zeitspanne war der Landwirtschaft als einer Hauptquelle für Lebenshaltung der Einwohner eine wichtige Rolle zugeschrieben. Im 19. Jahrhundert fand eine Wiederbelebung der wirtschaftlichen Kontakte statt; in den Jahren 1867 – 1870 wurden Holzbrücken über die Regalitz und die Oder gebaut, im Jahre 1870 wurde in Greifenhagen eine Bahnverbindung nach Stettin, 1895 nach Swobnica und 1893 nach Pyritz hergestellt. 1883 wurde der Postamt und drei Jahre später der Sitz der Kreisverwaltung errichtet. Seit 1904 wurde die Regulierung der beiden Mündungsärmer Oders durchgeführt, in den Jahren 1911– 1913 wurden die bis heute erhaltenen Stahlbrücken erbaut. Neben der Bahnverbindung bestand eine Verkehrsverbindung nicht nur zwischen Greifenhagen und Stettin, es gab auch einen Schiffsweg, der andere Städten an der Oder verband (am Anfang des 20. Jahrhunderts – sechs Fahrten täglich). Vorhanden waren mehrere reguläre Schifffahrtverbindungen, deren Schiffe sowohl Ladungen als auch Passagiere beförderten. Im Jahre 1866 waren auf dem Stadtgebiet neun Mühlen tätig (die älteste Windmühle wurde hier im Jahre 1715 erbaut, die Wassermühlen an dem Fluss Tywa gab es schon seit dem 13. Jahrhundert). Die Industrie konnte in Greifenhagen keine größere Bedeutung entfalten, 1930 gab es in der Stadt nur vier Betriebe: eine Chemiefabrik, ein Seifenbetrieb, eine Konservenfabrik sowie einen Hersteller von Filzhüten. Nördlich der Stadt wurde ein Holzbetrieb, der die Methode der trockenen Holzdestillation verwendete, lokalisiert. Im Jahre 1866 zählte Greifenhagen ca. 1753 Gebäude, 546 davon waren Wohnhäuser. Im 15. Jahrhundert betrug die Einwohnerzahl ca. 2000 – 2500, im Jahre 1740 – 2152, im Jahre 1812 – 3569, im Jahre 1861 – 6497, im Jahre 1919 – 7344 und im Jahre 1928 – 9000 Personen, die ungefähr 800 Häuser bewohnten. Die urbanistische Entwicklung Greifenhagens verlief relativ einfach, deshalb ist es noch heute möglich, den im 12. Jahrhundert gegründeten Stadtteil zu erkennen. Greifenhagen entstand wahrscheinlich auf einem unbebauten Ort, obwohl auf Grund einer direkt benachbarten Siedlung von einer typischen Stadtgründung nicht die Rede sein kann. Deshalb war auch die Planung eines regelmäßigen Systems im Form eines Vierecks, der im Norden und Osten stark abgerundet war und parallel zu Regalitz eine längere Achse aufwies, möglich. Die Straßen verliefen senkrecht (fünf Strassen parallel zum Fluss und fünf senkrecht). Nur im westlichen Stadtteil gab es eine für die Städte mit ovalen Grundrissen typische Mauerstrasse. Eine breite Strasse führte an der Stadtmauer zum Hafenkais entlang Die Struktur der Altstadt wurde seit dem 13.

Jahrhundert eigentlich nicht verändert, obwohl der größte Teil der Straßen mehrmals verbreitet worden ist (zum ersten mal nach dem Stadtbrand im Jahre 1530). Während der Kämpfe um Greifenhagen im Jahre 1945 wurde das historische Stadtzentrum zu 95 % zerstört. Nach dem Krieg wurde dieser Stadtteil mit Hochhäusern bebaut. Dies verursachte zwar keine wesentlichen Veränderungen des Straßennetzes, doch die neuen, teilweise dicht aneinander stehenden Bauten, verwischten die ehemalige logische und ebenmäßige Stadtaufteilung. Die Vorstadt Greifenhagens entwickelte sich seit dem Mittelalter bis in die 20-er Jahre des 20. Jahrhunderts in Richtung Süden und Norden entlang der Straßen, die an am Odertal verliefen. Eine größere Bedeutung hatte die südliche Siedlung der Wieker mit ihrer Sankt-Georgkapelle (abgebaut im Jahre 1740), die sich zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert entlang der Straße nach Banie und Chojny zu einer frei bebauten Vorstadt entwickelte. Die nördliche Siedlung der Wieker wurde während des Dreißigjährigen Krieges Niedergebrannt. An ihre Stelle wurden im 18. Jahrhundert einige Scheunen aus einem dicht bebauten Gebiet wegen Brandgefahr versetzt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand die Vorstadt Stettins, in der u.a. die sehenswürdigen Metzgerei und Wohnhäuser lokalisiert wurden. Seit 1876 expandierte die Stadt in nordöstlicher Richtung, wo nach der Verlängerung der Rybacka Straße (die heutige 1-go Maja Straße) die Stadt befestigt wurde. Dort sind auch Verwaltungsgebäuden – der Sitz der Kreisverwaltung, die Post, das Gerichtshof und das Krankenhaus - entstanden. In der Zwischenkriegszeit entstanden auch die ersten Reihenhäuser, die in den höheren Teil des Oderhanges zwischen den Landstraßen Richtung Weltin und nach Chwarstnica gebaut wurden. Die Vorstadt Stettins expandierte über die Bahnbrücke hinaus. Entlang des Bahngleises und der Landstraße wurde eine Reihe von Einfamilienhäusern gebaut. In den letzten 30 Jahren erfuhren die Linien der Stadtentwicklung von Greifenhagen grundsätzliche Veränderungen. Auf einem bisher kaum bebauten Gebiet des Talhanges und der angrenzenden Hochebene entstanden Wohnblocksiedlungen, die ein neues Wohnviertel Namens „Górny Taras“ bilden. Das heutige Greifenhagen kann auf seine Sehenswürdigkeiten, Tennisplätze und modernes Wassersportzentrum „Laguna” stolz sein. Greifenhagen ist ein Ort, von dem aus Ausflüge in zwei Landschaftsparken, in den Landschaftsschutzpark „Unteres Odertal“ und in den Stettiner Landschaftsschutzpark „Buchheide“, wo es einmalige Pflanzenarten und eine reiche Fauna zu sehen ist, organisiert werden. Zu den größten Vorteilen der Umgebung von Greifenhagen zählen die unbeschmutzten Wälder und reine Seen, besonders der Weltin. See. In der Stadt finden jedes Jahr drei große Vergnügungsveranstaltungen statt. Die größte davon ist das Fest „Greifenhager Tage”, das im Mai stattfindet und drei Tage dauert und ein reiches Kulturangebot anbietet. Im Jahre 1998 wurde Greifenhagen mit der Bezeichnung „Woiwodschafts Touristische Gemeinde” ausgezeichnet, 1999 zählte Greifenhagen zu der erfolgreichsten Gemeinden in ganz Polen. Greifenhagen schloss auch eine Stadtfreundschaft auch mit vielen Städten. In der Bundesrepublik Deutschland sind es Schwedt, Gartz und Bersenbrück, in der Ukraine Sambor und in Polen Barlinek und Raciechowice. Greifenhagen verfügt über eine moderne Abwasserkläranlage und eine Hausmülldeponie. Unternehmen, die sich in der Gemeinde Greifenhagen befinden, sind im Bereich der Produktion, des Handels und den Dienstleistungen tätig. Eines der größten Betriebe ist in Greifenhagen das Elektrizitätswerk „Untere Oder” AG, ein Stellenreiter im Bereich der Herstellung von der elektrischen Energie. Die Modernisierung des Betriebes hat dazu beigetragen, dass die Umwelt weniger belastet wird. Das Kraftwerk besitzt zwei Abwasserkläranlagen und eine Aschendeponie, die mit Grassteppichen abgeschirmt ist. Moderne Elektrofilter scheiden 99% des im Rauchgas befindlichen Staubs ab. Die Asche findet in dem Bau- und Straßenbauwesen eine praktische Anwendung und wird u. a. nach Deutschland exportiert.

Heutzutage zählt Greifenhagen ca. 22,000 Einwohner und gehört zu den sich am meisten dynamisch entwickelnden westpommerschen Städten. Greifenhagen ist nach der Verwaltungsreform im Jahre 1999 die Kreishauptstadt geworden.

Das Kalendarium des Greifenhagener Landes

        
 


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